Autorin: Tippi

Der Markttag

Kennen sie diese Leute, die frühmorgens auf dem Marktplatz anrücken, teilweise die Stadt wie ein Heuschreckenschwarm überfallen? Mit viel Eisengeklapper fangen sie an ihre Stände aufzubauen. Ab und zu wird ein kurzer, manches mal auch ein längerer Streit mit dem Nachbarn um die Grenze ausgefochten. Meistens geht es friedlich zu. "Guten morgen, hallo, wie geht's?
Wer einen Platz hat, der hat es gut. Wer keinen hat, wartet mit großer Sehnsucht auf den Allgewaltigen, den Umturtelten, den womöglich Geliebten oder auch weniger gern Gehabten, den Marktmeister! Da gibt es die unterschiedlichsten Typen: zuerst einmal den Väterlichen, so, sie haben eine Absage, warten sie mal, ich werde mich gleich drum kümmern. Dann der Mürrische: Mit einer Absage hätten sie erst gar nicht kommen brauchen. Der Gemütliche: I sags euch immer Leut, ihr müsst warten bis älle do sind. Jetzt kommt der Korrekte: Er erscheint Punkt 9 Uhr Einer von euch mit einer Absage kann mitkommen, dass er sieht, dass alles seine Ordnung hat. Nach einer halben Stunde kommen sie zurück: Ein Platz mit 4m, wer kann den brauchen? Zahlreiche "Ich" Schreie. Oin han i gsagt! Also wird verlost. Die glückliche Gewinnerin darf heute hier Socken verkaufen. "Aber es hat noch so viele Lücken zwischen den Ständen". "Nichts zu machen, der Platz wird braucht".
Es soll aber auch Marktmeister geben, von denen gemunkelt wird, wenn du dem keinen 100derter zusteckst, kriegst du sowie so keinen Platz. Das Gerücht glaubt jedoch keiner.
Dann gibt es noch den Sozialveranlagten, Ihr kriegt alle einen Platz. Bloß müsst ihr warten und dass mir keiner nachrennt, i such die Plätz un dann kom i wieder do her. Und siehe da, er kriegt alle unter. Aber dann gibt es einen, der ist arm dran, weil er meistens die Übersicht verliert. Er holt seine Liste raus, die stimmt nicht mit den Nummern der Stände. Dann wird eine neue produziert, das dauert natürlich. Inzwischen haben sich die Marktleute umgestellt. Jetzt stimmt die neue Liste nicht mehr. Nachdem noch einige Male hin und her rangiert wurde, stimmts vielleicht! Es gibt aber noch einen anderen: Morgens früh um 6 Uhr steht er bereit. Alle dürfen sich um ihn versammeln. Die obligatorische Liste in der Hand und den ganzen Rattenschwanz Händler hinter sich, zieht er los. Die Marktstraßen rauf und runter. Das kann sich so 3 Stunden hinziehen, bis der letzte seinen Platz hat. Wer dann endlich am Ziel ist, seinen Platz hat, der kümmert sich nicht mehr um die armen Anderen. Hauptsache isch, i han mein Platz!

Es ist Sonntag Vormittag. Die Kirche hat bereits angefangen, auf dem Markt geht es ruhig und friedlich zu. Die Stände sind aufgebaut, und die Händler warten auf die ersten Kunden. Manche laufen herum, mal sehen was der Nachbar anbietet. Aber gekauft wird noch nichts, höchstens etwas ausgesucht. "Gell, legsch mers weg, i hols nochher! " Denn die meisten sind recht abergläubisch. Bevor man nicht selber etwas eingenommen hat, darf man nichts für sich selber kaufen. Ist mir auch schon so gegangen. Ich stand auf einem total verregneten Markt und fror, ich brauchte dringend ein paar warme Socken hatte doch aber noch nichts in der Kasse. Also fror ich weiter. Endlich erbarmte sich ein Kunde, und ich kaufte mir gleich die dicksten Socken, die ich finden konnte.
Aber an diesem Sonntag regnete es nicht. Seit dem frühen morgen strahlte die Sonne von einem leicht verschleierten Himmel. Es war herrlich warm, zu warm, das sieht so nach einem Gewitter am Nachmittag aus. Mein Nachbar scheint dasselbe zu denken, denn plötzlich fängt er an, seine Schirmgewichte herzuräumen. Er verkauft Tischdecken, wunderschöne, mit bayrischen Motiven drauf. Die sind empfindlicher wie meine Kakteen. Trotzdem hole auch ich meine Leinen und Gewichte und befestige alles gut. Jetzt hat man noch Zeit dazu, und man hilft sich auch mal gegenseitig. Mein Auto steht heute hinter dem Stand, so hab ich gute Möglichkeiten, die Schirme fest zu binden. Aber nicht wie der eine, der besonders schlau sein wollte, und die eine Leine am Steuer an gebunden hat.
Es fing nämlich an zu regnen und zu stürmen, und er konnte sein Fenster nicht schließen. Allmählich kommen auch die Kunden. Ich habe schon einiges verkauft, vor allem fleischfressende Pflanzen. Die Kinder sind ganz fasziniert, dass es eine Pflanze gibt, die von ganz alleine so schnell ihre Blätter zumachen kann. Die großen Kannenpflanzen sind mehr für die Erwachsenen. Die fragen dann schon mal, ob sie lieber Rind- oder Schweinefleisch füttern sollen.
Obwohl es immer heißer wird, und mancher mit Schweißperlen auf der Stirn an den Stand kommt, geht es recht lebhaft zu. Ein Geschwisterpaar, das schon länger mit Mama und Oma am Spielzeugstand gegenüber ausgesucht hat, kommt jetzt zu mir herüber. "Ich will einen Kaktus" "Was für einen möchtest du denn?" frage ich. "Den hier mit den langen schwarzen Stacheln". Vorsichtshalber frage ich die Mama, ob das in Ordnung geht. "Ja, natürlich, jedes darf sich einen aussuchen, aber den nun nicht gerade, such dir einen anderen raus"." Welchen soll ich dann nehmen?" " Ich weiß schon welchen ich nehme", "Zeig mal!" "den mit den weißen Haaren oder den mit dem roten Kopf, was meinst du?" "Also den mit dem roten Kopf, den nimmst du auf gar keinen Fall, lässt sich die Oma vernehmen, die gehen so schnell kaputt". Die Mama meint dazu, der mit den weißen Haaren hat gar keine Blüten. Aber als die kleine sich einen mit gelben Blüten aussucht, lies sich Oma vernehmen "Wenn der verblüht ist, sieht er langweilig aus". "Oh, ich hab jetzt einen ganz tollen gefunden, der sieht aus wie ein Osterhase, den möchte ich haben. Bitte Mama!" " Nein also den auf gar keinen Fall, der hat winzige Stacheln, die gehen nicht mehr aus der Haut raus". "Aber Mama, gegen alle hast du was !" "Ich habe doch gar nichts gesagt, ihr dürft euch aussuchen was ihr wollt". "Prima, dann möchte ich den mit den schwarzen Stacheln". "Und ich den mit den weißen Haaren". "Über die haben wir doch bereits gesprochen, die sind ungeeignet". Jetzt fließen die ersten Tränen, und der Junge wird zornig und schreit: "So, ich will gar keinen mehr!" "Kinder, seid doch nicht so undankbar. Ich such euch 2 aus und die nehmt ihr dann."
Das nennen die Leute Kindererziehung! Inzwischen bläst ein warmer Wind, der immer heftiger wird. Mit einmal hat sich eine Windhose gebildet und die ganze Unterwäsche vom übernächsten Stand wirbelt im Kreis immer höher in die Luft . Zuerst sah das ja recht lustig aus, aber als am gegenüberliegenden Stand die Plastikspielsachen mitwirbelten und der erste Schirm umfiel, kreischten und schrieen die Kunden. Der Wind griff jetzt heftig unter die Schirme, und manch einer hob sich trotz Verankerung und schwerem Fuß etliche Zentimeter über den Boden. Im Gang hinter mir, hob es einen 6m Schirm hoch und schmiss ihn quer über die Jacken und Hosen. Ein Kunde bekam von dem fallenden Schirm einen Schlag ab, und stürzte dabei so ungeschickt, dass er sich den Arm brach. Nach einer halben Stunde schien wieder die Sonne, und das Chaos wurde aufgeräumt. An diesem Nachmittag kamen noch recht viele Leute, die sich mehr für den Unfall interessierten, als für die Angebote. So ist es eben!

    Diesen Artikel bewerten: 10 = super    
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10


Kommentar schreiben

 
Ihr Name (oder Nickname)


Ihre Email
(wird nicht angezeigt, und auch nicht an Dritte weitergegeben)



Ihre Homepage (*optional)


Ihr Kommentar
    Mit dem Absenden/Speichern stimmen Sie der AGB zu - Vielen Dank.
 


Home News Fotos Impressum Kleinanzeigen Neueste Kleinanzeigen Kontakte Projekte Kleinanzeige eintragen Hohenlohe Newsletter Veranstalter Nächste Veranstaltungen

Bitte hier Ihre E-Mail Adresse eintragen
alle 3 Tage   alle 7 Tage   alle 14 Tage

Ihre E-Mail: